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Die Handelskammer - eine Notenbank?


(Notgeldscheine der Erfurter Industrie- und Handelskammer 1923, Sign. K1-1-251)

 1923 – das Jahr der Hyperinflation in Deutschland. Ab Mitte des Jahres schritt die Geldentwertung rapide voran. Die Reichsbank kam wegen des enormen Bargeldbedarfes mit dem Gelddrucken nicht mehr hinterher, obwohl neben der Reichsdruckerei noch um die 130 Privatdruckereien mit circa 30.000 Arbeitern damit beschäftigt waren und zugleich 30 Papierfabriken das notwendige Banknotenpapier produzierten. Dabei entwickelten sich die Zahlen auf den Geldscheinen von Millionen- über Milliarden- bis hin zu Billionenwerten.

Wie schon häufiger in den Jahren zuvor, genehmigte der preußische Handelsminister – Erfurt gehörte zur preußischen Provinz Sachsen – im August die Ausgabe von privatem Geld, von Ersatz- bzw. Notgeld. Neben den mit dem Druck von Notgeld bereits erfahrenen Behörden und Kreisen, gaben nun auch kleinere Betriebe Notgeldscheine aus, allein um Löhne auszahlen zu können. Die Folge: Mitte November war der Notgeldumlauf 6-mal höher als der der Reichsbanknoten!

Mit wertbeständigem Notgeld aus der Hyperinflation heraus

Es galt dringend von Seiten der Regierung gegenzusteuern. Das gelang mit dem Erlass vom 23. Oktober 1923, der das Ziel verfolgte, ein wertbeständiges Notgeld zu erschaffen. Dafür musste es beispielsweise in Relation zu einer anderen stabilen Währung gesetzt werden. In diesem Fall war das der Dollar unter Einbeziehung der fiktiven Goldmark. Fast 500 öffentliche (etwa 2/5) und privatwirtschaftliche (etwa 3/5) Stellen gaben nun wertbeständiges Notgeld heraus – darunter Provinzen, Städte, große Industriebetriebe, Industrie- und Handelskammern und, wie unsere Belege zeigen, eben auch die IHK Erfurt.

Notgeldscheine der IHK Erfurt

Wie hier sichtbar, bezog sich die Stückelung vornehmlich auf die Dollarparität von 4,20 Goldmark (also 2,1 Goldmark oder auch 8,4 Goldmark). Auf diesen Geldscheinen war zu lesen, dass die Kammer eine Genehmigung vom Reichsminister für Finanzen besaß und den Gegenwert ihrer Ausgabe in Reichsschatzanweisungen bei der Reichsbank in Erfurt hinterlegt hatte. Umtausch oder Auszahlung war an verschiedenen Banken in Erfurt möglich beispielsweise in den Filialen der damaligen Großbanken oder in der Bank für Thüringen vorm. B.M.Strupp sowie bei den alteingesessenen Erfurter Banken Adolph Stürcke oder H. Ullmann.

Die Schaffung des wertbeständigen Notgeldes bildete den ersten Schritt aus der Inflation. (siehe Literaturhinweise)

 


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Literaturtipps:

  • Carl-Ludwig Holtfrerich: Die deutsche Inflation 1914 - 1923: Ursachen und Folgen in internationaler Perspektive, Berlin, New York: 1980, S. 309

  • Inflationsgeld. Siehe: http://genwiki.genealogy.net/Inflationsgeld vom 6.5.2020

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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