Standort Eisenach / Station Automobilwerk

Auto-Liebhaber wissen es: Ob der Eisenacher Wartburg, der Dixi-Zentaur, der BMW-Propeller oder der Opel-Blitz; all diese Marken-Zeichen schmückten oder zieren heute noch die Fahrzeuge aus einem einzigen Hause: dem fast schon legendären Eisenacher Automobilwerk. Man nannte es kurz nur AWE. Noch heute stehen unterhalb der Wartburg einige der wohl interessantesten Zeitzeugen deutscher Industriegeschichte. Immerhin: Das als Produktionsstandort für den Kraftfahrzeugbau bekannte Eisenacher Geländeareal zwischen dem Fluss Hörsel und der Reichsbahntrasse im Norden der Stadt bestand 1996 hundert Jahre.
Solch eine lange Geschichte kann kaum ein deutscher Auto-Hersteller vorweisen. Im Dezember 1896 jedenfalls wurde die Fahrzeugfabrik Eisenach AG gegründet. Die Produktionsaufnahme erfolgte im Sommer 1897, die ersten Motorwagen konnten in englischer Lizenz ein Jahr später ausgeliefert werden. Wie die meisten Unternehmen dieses Industriezweiges produzierte auch der ab 1928 der Bayrischen Motorenwerke AG München angegliederte Betrieb in Kriegszeiten vorrangig für den Heeresbedarf. Dem ordnete sich natürlich auch die Architektur unter. So entstanden in Eisenach Geschoss- und Hallenbauten, die wie an einer Perlenkette an geradlinigen Betriebsstraßen aufgereiht wurden. Die Ausdehnung des Werkes folgte vor Ort gezwungenermaßen dem Trassenverlauf der Reichsbahn. Viel Raum zum Ausweichen und Erweitern blieb also nicht.  Das von der Fläche her begrenzte Areal führte anfangs zur Aufstockung der vorhandenen Gebäude und später zu zahlreichen Standortverlagerungen.
Noch vor der politischen Wende 1989 beispielsweise wurden Produktionszweige in Neubauten am westlichen Stadtrand Eisenachs verlegt. Diese Bausubstanz nutzte die Adam Opel AG nach 1989 für den Aufbau einer Montagestrecke. Es war eine dicke Schlagzeile: 1990 lief der erste Opel Vectra vom Band des Eisenacher Automobilwerkes! Opel setzte am Ende aber doch eine völlig neue Fabrik auf die grüne Wiese.
Eine Aktion mit Symbolcharakter. Sie sollte signalisieren: Die Auto-Tradition in Thüringen lebt weiter. Die Rüsselsheimer hatten sich sofort nach der Wende mit großem Engagement dem Eisenacher Standort zugewandt und rund eine Milliarde Mark in ein neues Werk investiert. Seit 1992 wird unterhalb der Wartburg mit High Tech und neuesten Arbeitsmethoden produziert. Opel schrieb also neue Industriegeschichte und ließ die alten Gebäude aus der Gründerzeit hinter sich. Der verbliebene Rest wurde abgerissen, von anderen Unternehmen genutzt oder es zogen neue Herren aus den unterschiedlichsten Bereichen ein.
Noch heute prägen viele der alten Bauten das Stadtbild. Sie bieten aber auch vielen Eisenachern ganz persönliche Punkte für Erinnerungen und Identifikation. So mancher begann hier mit der Lehre, ganze Generationen bauten an den Bändern Autos, auf die man zu DDR-Zeiten über zehn Jahre warten musste. Außer: Man hatte Beziehungen.

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Das Produktions- und Verwaltungsgebäude O2
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